Mein Weg in die Selbstständigkeit
Wie war eigentlich mein Weg in die Selbstständigkeit? In meiner Masterarbeit habe ich mich mit Soloselbstständigen und deren Lebensgeschichten beschäftigt. Das war 2021–2022. Dort habe ich den Wunsch, mich selbstständig zu machen, schon eine Weile verspürt – aber hat es da wirklich angefangen? Nein. Ich vermute, es hat schon viel früher begonnen.
In den Gesprächen zu meiner Masterarbeit haben einige Gründende von Erlebnissen aus der Kindheit erzählt, in denen sie bereits „unternehmerisch“ tätig waren. Da wurden Kuchen und Selbstgenähtes unter Freunden und Bekannten verkauft oder die ersten „Innovationen“ erfunden und vertrieben.
Auch bei mir gibt es in der Kindheit einige Dinge, die ich vorzuweisen habe. Gemeinsam mit einem Kindheitsfreund habe ich Keulen aus Stöcken und Gaffa-Tape gebaut und im Dorf, aus dem ich komme, verkauft. Erst war unser Stand nicht so gut gelegen, weswegen wir zur Feuerwehr in der Ortsmitte umgezogen sind. Ein paar von den Dingern haben wir auch wirklich verkauft. Das war für uns ein richtiges Erfolgserlebnis.
Später konnte ich bei der Feuerwehr auf Festen immer mal wieder beim Ausschank mithelfen. Ab und zu war es meine Aufgabe, die Preise im Kopf auszurechnen. Manchmal habe ich mich ganz schön verrechnet und die Kunden viel zu viel bezahlen lassen. Na ja, gut für die Feuerwehr – hat sich wahrscheinlich auch der Kunde gedacht.
2012 gab es einen weiteren Schlüsselmoment auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Ich hatte in der Schule Wirtschaftsunterricht. Ich glaube, ich war fast das einzige Mädchen, was ich doch sehr schade fand. Zumindest ich fand die Inhalte interessant, auch wenn ich manche Themen durchaus herausfordernd fand. Mit meinem besten Freund erfand ich ein Unternehmen, das den französischen Namen „en bombe de peinture hatte und bunte Mode vertrieb. Unser Unternehmen wurde von der Lehrkraft leider nicht so positiv bewertet. Mein erster Fuck Up.
Nichtsdestotrotz konnte ich zur ego.Sommerakademie nach Wernigerode fahren. Das war ein Wochenende im September 2012 mit viel Input, Spiel und Spaß rund um das Thema (Jung-)Unternehmertum. Ich war begeistert von den Ideen der anderen Schüler*innen. Ich fand besonders die Idee eines eigenen Cafés mit Bücherverkauf sehr spannend.
Leider bin ich in den Jahren darauf nicht weiter auf das Thema eingegangen. Ich war nach dem Abitur für ein Jahr in England und bin dann zum Studium nach Salzburg, Österreich, gezogen. Ich habe mich schon immer für viele Dinge interessiert, war gern in Vereinen tätig und konnte dort viel lernen und netzwerken. Hierin erkennt man auch meine Scanner-Mentalität sehr gut.
In Salzburg besuchte ich häufiger FuckUpNights, die sehr inspirierend für mich waren. Zu der Zeit hatte ich überlegt, ob ich ein Studium für „Soziale Innovation“ starten soll. Jedoch habe ich mich dann entschieden, 2019 zurück nach Sachsen-Anhalt zu kommen und hier zu studieren. Seitdem wurde der Wunsch, mich selbstständig zu machen, immer stärker.
Jedoch gab es mehr Fragen als Antworten und mehr Probleme als Lösungen. Womit sollte ich mich denn selbstständig machen? Ich kann doch nichts! Ich habe doch nichts vorzuweisen, was Menschen kaufen würden. In die Gastronomie wollte ich auf keinen Fall und auch sonst gab es keine konkreten Ideen. Ich informierte mich aber über Möglichkeiten wie das nebenberufliche Gründen und startete eine Weiterbildung zum systemischen Coach. Das tat ich mit dem Gedanken, dies sowohl bei zukünftigen Jobs als auch für eine Selbstständigkeit nutzen zu können. Auch hier sollten wir uns eine Unternehmensidee überlegen. Mein Unternehmen hätte den Namen „Wurzelwerk & Vogelflug“ gehabt.
Ende 2023 nahm ich an einer Heldenreise teil. Hier wollte ich Motivation und Kraft mitnehmen, um in die Selbstständigkeit zu starten. In der Heldenreise ging es aber schlussendlich um ganz andere Themen und sie brachte mich und meinen Mann auf eine völlig neue Reise: Neun Monate später war unsere Tochter da. Die Anfangszeit war für mich extrem herausfordernd und ich konnte mir gar nichts mehr vorstellen. Ich konnte mir nicht vorstellen, einkaufen zu gehen, in Ruhe in ein Café zu gehen oder abends wegzugehen. Spoiler: Ich mache all dies wieder und es ist das Normalste der Welt.
Zum Ende der Elternzeit startete ich ein Jobcoaching und die Suche nach einem Job. Ich wurde auch zu relativ vielen Bewerbungsgesprächen eingeladen – jedoch ohne Erfolg. Im November und Dezember 2025 nahm ich dann am Vorgründungskurs des IGZ teil. Das war für mich einfach enorm wichtig. Ich war umgeben von anderen Gründungsinteressierten und endlich mal wieder mit „weltlichen“ Problemen beschäftigt, die über volle Windeln und die Frage „Wann koche ich den nächsten Brei?“ hinausgingen. Aber es war auch eine ambivalente Zeit, in der ich meine Meinung zur Selbstständigkeit immer wieder geändert habe – und das war auch wichtig und richtig so. In einem Folgeseminar der Heldenreise („Tod & Auferstehung“) entschied ich mich endgültig für die Selbstständigkeit.
Nun bin ich seit dem 1. März freiberuflich selbstständig. Ich habe mich um viele versicherungstechnische Themen gekümmert und lerne im Nachgründungskurs vom IGZ nach wie vor viel dazu. Ab April 2026 starte ich als Dozentin mit einer Lehrveranstaltung und meine Reihe für Familienaufstellungen beginnt am 30. Mai.
Ich bin sehr froh, den Schritt nun gegangen zu sein, und bin unglaublich dankbar für mein Umfeld, das mich unterstützt. Allen voran mein Mann, der meine Entscheidung tagtäglich mitträgt. Ich möchte mit meiner Arbeit Menschen begleiten, die eine ähnliche Geschichte haben wie ich. In der Masterarbeit hat sich herauskristallisiert, dass Gründende ohne Unternehmereltern oft mehr hinderliche Glaubenssätze in sich tragen und dadurch langsamer in die Umsetzung kommen. Dazu fehlen oft das Know-how und praktische Unterstützungsmöglichkeiten. Auch ich habe keine Unternehmereltern, die mich darin unterstützen können. Dennoch untersützen mich meine Eltern auf ihre Art und Weise.
Ich habe mfür mich entschlossen, dass ich Personen in die Selbstständigkeit unterstützen möchte und ihre Stärke, die sie in sich tragen, zum Vorschein zu bringen und in die Welt zu tragen!
Gehörst du auch zur ersten Generation in deiner Familie, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagt? Und hast du vielleicht auch dieses ‚Scanner-Herz‘, das sich für so vieles begeistert, dass die Entscheidung für die eine Idee schwerfällt?
Ich möchte wissen: Welcher kleine Funke aus deiner Kindheit hat dich eigentlich hierher geführt? Und was hält dich heute noch manchmal zurück? Schreib es mir in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch!
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